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Typenbildung – Begriffsbestimmungen

Aufgrund von Ähnlichkeiten in ausgewählten Merkmalsausprägungen werden Elemente zu Typen zusammengefasst. Ein Typ zeichnet sich dabei durch die gleiche Kombination von Merkmalsausprägungen aus. Die Elemente desselben Typs sollen einander möglichst ähnlich sein, die verschiedenen Typen hingegen sollen möglichst unähnlich und heterogen sein. Dazu werden Fälle zu ähnlichen Mustern oder Gruppen zusammengefasst, die von anderen Mustern und Gruppen deutlich unterscheiden lassen.

Typ

Ein Typ besteht aus mehreren Einzelfällen, die einander ähnlich sind. Die Gesamtheit der gelbildeten Typen bezeichnet man als Typologie.

Merkmalsraum

Typen und damit Typologien bestehen aus zwei oder mehr Merkmalen. Die Gesamtheit der Merkmale bilden einen Merkmalsraum.

 

Formen der Typenbildung

Typenbildung findet ausgehend von der Forschungsfrage immer in einem Prozess von fünf Hauptphasen statt.

Darstellung der Phasen der Typenbildung (Kuckartz 2016: 148):

kuckartz_typenbildende_inhaltsanalyse

  1. Bestimmung des Merkmalsraums
    Hier wird entschieden, welche Merkmale für die Typologie relevant sind, abhängig von den vorhandenen Daten.
  2. Gruppierung der einzelnen Fälle und Bildung einer Typologie
  3. Detaillierte Beschreibung der Typologie
  4. Zuordnung der Einzelfälle (meist Personen) zu den gebildeten Typen
  5. Zusammenhangsanalyse

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Ablaufmodell typenbildender Inhaltsanalyse

(Kuckartz 2016: 153):

ablaufmodell

 

  1. Bestimmung von Sinn, Zweck und Fokus der Typenbildung
    Was genau soll mit der Typenbildung bezweckt werden? Welche Komplexität und welchen Differenzierungsgrad soll die angestrebte Typologie aufweisen? Was sind primäre und sekundäre Merkmale?
  2. Auswahl der relevanten Dimensionen der Typenbildung und Bestimmung des Merkmalsraums
    Welche aus dem empirischen Material erschließbaren Merkmale sind relevant für die Typologie? Was ist der Merkmalsraum?
  3. Codieren bzw. Recodieren des ausgewählten Materials
  4. Bestimmung des Verfahrens der Typenbildung und Konstruktion der Typologie
    Welche Form der Typisierung ist angemessen? → abhängig von der Samplegröße und der Dimensionalität der angestrebten Merkmale:

    • Merkmalshomogene Typenbildung bei zwei oder drei Merkmalen mit relativ wenigen Ausprägungen.
    • Typenbildung durch Reduktion bei mehr Merkmalen mit mehr Ausprägungen.
    • Polythetische Typenbildung bietet die Möglichkeit zu einem vieldimensionalem Merkmalsraum.
  1. Zuordnung aller Fälle der Studie zu den gebildeten Typen
    Zuordnung muss eindeutig sein.
  1. Beschreibung der Typologie, der einzelnen Typen und vertiefende Einzelfallinterpretation
    Bei der Beschreibung können und sollen besonders aussagekräftige Zitate herangezogen werden. Übersichtstabellen können die Verständlichkeit der Darstellung erhöhen. Möglich ist auch eine vertiefende Fallinterpretation:

    • Repräsentative Fallinterpretation
      Ein möglichst geeigneter Einzelfall wird ausgewählt und für alle Forschungsteilnehmenden des Typs ausführlich dargestellt
    • Konstruktion eines Modellfalls
      aus der Zusammenschau und der Montage der am besten geeigneten Textpassagen.
  1. Analyse der Zusammenhänge zwischen Typen und sekundären Informationen
    Sekundäre Informationen sind u.a. sozio-demographische Merkmale oder alle anderen als Variable vorliegenden Informationen, die nicht Teil des Merkmalsraums sind.
  1. Komplexe Zusammenhänge zwischen Typen und anderen Kategorien
    In welchem Zusammenhang stehen die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Typ und die Haltung zu anderen Themen der Studie?

 

Literatur

Kuckartz, Udo (2016): Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. 3., überarbeitete Auflage. Weinheim: Beltz Juventa.